Halbmarathon – Mein Rennen gegen die Natur?

In den letzen Jahren hab ich begonnen, immer mehr zu laufen.Früher mochte ich das Laufen gar nicht, aber je älter ich wurde, desto eher fand ich Laufen richtig gut nach einem langen Tag in der Bibliothek oder im Büro. Beim Laufen vergesse ich meistens den Ärger, der tagsüber manchmal entstehen kann, konzentrier mich auf mich selber und komm fast immer mit mehr Energie zurück als beim Loslaufen.

Ich steck mir selber gerne Ziele und irgendwann beschloss ich, einen Halbmarathon in Angriff zu nehmen. Vor allem dachte ich dass mich das motivierenwürde, regelmäßig laufen zu gehen, und ich war tatsächlich motiviert es demnächst bis über die Ziellinie zu schaffen. Am Tag des Halbmarathons hab ich mich also in mein bestes Laufoutfit geschmissen und mich einigermaßen gut gefühlt. Obwohl ich mein Training in den Wochen zuvor sehr vernachlässigt hatte weil ich ständig verkühlt war war ich doch voller Vorfreude, wenn auch durchaus nervös.

Noch bevor ich aber überhaupt zum Start kam haben sich meine Gedanken oktzlich um ein ganz anderes Thema gedreht: rund um mich in der U-Bahn waren lauter braun gebrannte Leute, neben denen ich aussah wie die Creme in der Milchschnitte. Irgendwie war jeder einzelne so unglaublich viel gebräunter als ich.

Auf einmal hab ich mich viel mehr um meine helle Hautfarbe gekümmert als ums Rennen. Während alle andern aussahen als wären sie grade erst vom Trainingslager in Hawaii zurückgekommen sah ich eher aus als hätt ich meine Zeit bestenfalls am Laufband verbracht, aber sicherlich nicht draußen. Irgendwie passten alle so richtig in dieses Marathon-Geschehen, aber ich bin ziemlich herausgestochen aus der goldenen Masse.

Bis heute geht es mir so wenn ich bei einem solchen Sportereignis bin. Und das obwohl es rational absolut keine Rolle spielt. Ich wäre keine Sekunde schneller wenn ich nicht so blass wäre und alle andern wären nicht langsamer wenn sie weniger gebräunt wären. Das ganze ist also natürlich nur in meinem Kopf, es geht ganz einfach um die Assoziation, die wir – oder zumindest ich – mit einer sportlichen Lebensweise haben. Schließlich ist es doch klar, dass man braun wird wenn man immer draußen läuft oder seine Freizeit sonst wie in der Natur verbringt, oder?

Falsch! In meinem Fall stimmt das nicht, weil die Zeit, die ich draußen in der Sonne verbringe, meine Hautfarbe nicht merklich beeinflusst. Während andere ein oder zwei Mal draußen laufen und mit tropischer Bräune zurückkommen bleibt meine Haut ganz einfach weiß, denn so ist sie nun mal.

Deshalb habe ich eine wichtige Entscheidung getroffen: ich werde in Zukunft nicht meine (fehlende) Bräune an meine Laufleistung knüpfen oder daran, ob ich in so eine Veranstaltung passe oder nicht. Es gibt eben auch Leute mit sehr heller Haut, die sportlich sind und auch einen eher sportlichen Look haben. Ich werde ganz einfach weiter trainieren, mich auf die Ziellinie konzentrieren und mir sagen, dass ich dort hingehöre!

Alles Liebe – The Fairy Pales

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