Andere Frauen: Gegner oder Verbündete?

Ein Thema, das mir in meinem Leben schon sehr oft untergekommen ist und mir dementsprechend auch am Herzen liegt, ist Konkurrenzkampf. Wenn die Blicke vom eigenen Laufband aufs benachbarte schweifen, um zu sehen, welche Geschwindigkeit eingestellt ist. Wenn man seine langen Arbeitszeiten besonders dramatisch hervorhebt um ja nicht den Eindruck zu erwecken, weniger zu arbeiten als die Kollegen. Wenn man nur seine absolut besten 5% Fotos auf Instagram oder sonst wo postet um auch ja keine Spur von Alltag oder Fehler zu zeigen sondern nur Perfektion.

Wenn ich bis vor Kurzem hübsche Frauen irgendwo gesehen habe war der erste Gedanke Neid und oft habe ich mental sofort Gründe gesucht, warum sie sicherlich dennoch nicht perfekt sind. Wenn eine Frau am Laufband nebenan schneller war dann hab ich innerlich Stress bekommen und sie verflucht. Wenn ich Frauen mit Kindern gesehen habe, die dennoch (Kinder sind ja doch Arbeit) toll ausschauen, habe ich mich gefragt wieso ich das oft nicht mal ohne Kinder schaffe. Und mal ehrlich, wer kennt nicht, wenn er eine perfekt aussehende Frau kennt, die auch noch schlau und nett ist, den Gedanken „Sie hat alles, ich hab nichts!“?

Wenn auch immer einem also Frauen im Leben begegnen, die besser, hübscher, schlauer, schlanker, größer, glücklicher, einfallsreicher oder sonst wie vorteilhafter scheinen, wieso sehen wir sie als Gegner? Warum haben wir Panik, dass andere erfolgreiche, starke Frauen uns die Show stehlen, anstatt zu glauben, dass genügend Bühne und Publikum für alle da ist?

Vermutlich kennt jede Frau gewisse Gedanken der Unzulänglichkeit und von Zeit zu Zeit die Unsicherheit, die sich einstellt, wenn man sich andern Frauen unterlegen fühlt, egal ob optisch oder in bestimmten Kenntnissen oder Erfahrungen. Das Stichwort Selbstwertgefühl ist hier wiedermal absolut passend und das ist natürlich etwas, woran jeder für sich arbeiten muss, aber meine persönliche Erfahrung zeigt zumindest, dass der Konkurrenzkampf gegenüber Frauen deutlich stärker ausgeprägt ist als gegenüber Männern oder zumindest dass die Konsequenzen einer gefühlten Niederlage gegenüber Frauen viel schmerzhafter sind.

Damit meine ich, dass ich einigermaßen gut damit leben kann, wenn ein Mann schneller läuft als ich, wenn er eine steilere Karriere hinlegt oder meist top gestylt ist. All das löst bei mir weder Neid noch Missgunst aus – warum also löst es eine solche Reaktion aus, wenn die Vergleichsperson weiblich ist? Für eine aufgeklärte, emanzipierte Frau sollte das doch keinen Unterschied machen, oder?

Tut es aber, denn zumindest für mich wirkt der Vergleich mit andern Frauen viel direkter. Die Ausreden für die eigene – oft subjektive – Unterlegenheit sind spärlicher. Wenn eine andere Frau scheinbar alles hat, kommt in mir unweigerlich gewisser Stress hoch. Dieser Umstand ist natürlich möglicherweise auch meinem Perfektionismus und Tatendrang geschuldet, aber auch abgesehen davon finde ich es spannend, dass erfolgreiche Frauen oftmals Objekt des Neids sind, anstatt der Bewunderung. Während mein Freund sich zum Beispiel ein sportliches Idol sucht und dann mit dem Mantra „So gut will und werd ich auch sein, wenn ich trainiere“ durchstartet, blicke ich bei sportlichen Ereignissen wie dem Marathon auf die Spitzengruppe und verfluche die Frauen, die ganz vorne dabei sind, konstant Topleistungen bringen, nebenbei toll aussehen und meist auch gleich ein paar Jahre jünger sind als ich. Anstatt zu sagen „So super will ich auch sein, deshalb werde ich hart dran arbeiten“, macht sich Neid breit.

Schade, denn genau solche Frauen sind es, von denen wir andere Frauen jede Menge lernen können, wenn wir es wollen. Genauso sind wir Frauen, von denen wiederum andere Frauen etwas lernen können. Es wäre doch schlauer, sich mit erfolgreichen, gleichgesinnten Frauen zusammenzuschließen, anstatt sie zu bekämpfen zu versuchen. 

In den letzten Tagen habe ich sehr viel mit wahnsinnig erfolgreichen, unglaublich schlauen Frauen zu tun gehabt. Und bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass sie nichts als Bewunderung verdienen für das, was sie leisten. Dass ich solche Frauen lieber neugierig beobachten und von ihnen lernen will, anstatt mich vor ihrem Erfolg zu scheuen. Schließlich können wir eine Menge voneinander lernen, wenn wir die Einstellung ablegen, dass es Gewinner und Verlierer in diesem Spiel geben wird, und wir stattdessen anfangen zu glauben, dass jede Spielfigur ihren Platz hat.

Mit Liebe geschrieben – The Fairy Pales


 

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