Blasse Eltern & gebräunte Kinder? | Genome Editing

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Ich hatte in den letzten Wochen die großartige Chance, in Themen einzutauchen, mit denen ich mich bisher nie im Detail befasst hatte. Ein solches Thema ist unsere Evolution und menschliche Genetik und besonders die technologischen Möglichkeiten, die uns heutzutage darin eingreifen lassen.

Genotyp: Unsere Gene bestimmen unsere Hautfarbe

Der Grund dafür, dass wir alle ein wenig unterschiedlich aussehen, beispielsweise mit unterschiedlichen Hautfarben, liegt in unserer DNA. Unsere DNA enthält unsere Erbinformationen, also zahlreiche Gene – wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge etwa 25.000. Der Großteil dieser DNA ist von Mensch zu Mensch ident, der Unterschied menschlicher Genome (also der Gesamtheit unserer Gene) liegt also im Detail und bewirkt, dass wir uns alle voneinander unterscheiden. Die kleinen, feinen Unterschiede in den Genen legen unseren Genotyp fest. Der Genotyp, also unsere individuelle genetische Ausstattung, beeinflusst die Proteine und Moleküle, die gebildet werden, die wiederum unterschiedliche Merkmale bei uns auslösen. Beispielsweise bestimmen unsere Gene wie viel Melanin in unserer Haut sein wird, was wiederum unsere Hautfarbe beeinflusst.

Phänotyp: Polygenie und die Umwelt

In Mendels Vererbungsregeln geht es um Merkmale, die durch ein einziges Gen bestimmt werden. Bei etwas komplexeren Merkmalen, wie beispielsweise unserer Hautfarbe, ist allerdings eine Vielzahl an Genen ausschlaggebend, was Polygenie genannt wird. Somit können wir die Mendelschen Regeln nicht mehr klar anwenden, denn während zwar die einzelnen Hautfarben-Gene üblich vererbt werden, kommt es sozusagen zu Wechselwirkungen zwischen allen an der Hautfarbe beteiligten Genen, wobei diese einzelnen beteiligten Gene unabhängig voneinander vererbt werden können.

Zusätzlich kommt bei der Hautfarbe hinzu, dass auch die Umwelt – konkret die Sonneneinstrahlung – einen Einfluss haben kann. Im Unterschied zum Genotyp, der nur durch die DNA Sequenz festgelegt ist, gibt es auch den sogenannten Phänotyp, der die Ausprägung gewisser Merkmale beschreibt (also unsere Erscheinung). Unser Genotyp wird von der Sonneneinstrahlung nicht beeinflusst, der Phänotyp aber in gewissem Ausmaß schon.

Freilich ist eine solche Veränderung der Hautfarbe nur in gewissem Rahmen möglich, denn auch diese Reaktion der Haut auf die Sonne ist genetisch festgelegt. Genau darin liegt neben dem prinzipiellen Unterschied in der Hautfarbe auch der Unterschied im Bräunungsverhalten verschiedener Menschen.

Genome Editing: Wenn das Genom verändert wird

Mit dem heutigen Stand der Forschung und Technologie ist es möglich, gewisse Gene auch bei Menschen auszutauschen. Beispielsweise könnte man feststellen, dass ein Mensch genetische Anlagen für bestimmte Krankheiten besitzt und dann das dafür verantwortliche defekte Gen durch ein intaktes Gen austauschen, was das Genom des Menschen verändern würde.

Abgesehen von dieser therapeutischen Anwendung öffnen solche Methoden aber natürlich – zumindest theoretisch – weitere Anwendungen zur Beeinflussung des Genotyps. Beispielsweise könnte man theoretisch auch kosmetische Veränderungen herbeiführen, wie eben eine bestimmte Hautfarbe. Dass das speziell bei der Hautfarbe ein wahnsinnig komplexes oder aktuell vermutlich unmögliches Unterfangen wäre, muss einem hier natürlich klar sein, bevor man in Panik verfällt. Wie beschrieben sind an der Hautfarbe ja viele verschiedene Gene beteiligt, die in ihrer Polygenie für die tatsächliche Hautfarbe verantwortlich sind. Wir müssten also zunächst überhaupt wissen welche Gene wir in welcher Art und Weise verändern müssten.

Blasse Eltern und gebräunte Kinder?

Wenn wir diese – in der Tat derzeit hypothetischen – Gedanken weiterführen, würde das bedeuten, dass ich als äußerst blasse Frau mit einem ebenfalls nicht wahnsinnig dunkelhäutigen Mann meine Chancen auf ein gebräuntes Kind deutlich erhöhen könnte. Ich könnte hier beinhart in die biologische Evolution eingreifen und beschließen, welche Hautfarbe mein Kind haben soll. Geleitet wären diese Gedanken davon, was ich als erstrebenswerte Hautfarbe befinde. Davon, wie meine eigene Hautfarbe mein Empfinden geprägt hat und wie ich mir wünsche, dass die Hautfarbe meines Kindes aussieht.

Ein spannender und zugleich vielleicht etwas erschreckender Gedanke, denn die Auswirkungen solcher Einflussnahmen sind vermutlich schwer abschätzbar. Ich rede hier jetzt nicht von genetischen oder sonst wie biologischen oder medizinischen Konsequenzen. Vielmehr stelle ich mir die Frage, welche sozialen Auswirkungen das hat. Ich als Elternteil würde somit meinem Kind meine eigenen oder die gesellschaftlichen – zum Zeitpunkt des Genome Editing geltenden – Schönheitsstandards mitgeben.

Wie würde ich mich aber fühlen, wenn mein biologisches Kind also tatsächlich so abweichen würde von mir? Wie würde es mir gehen, wenn vielleicht mein Kind oder die zukünftige Gesellschaft wiederum helle Haut als viel schöner und vorteilhafter betrachten? Wer legt überhaupt fest, was also ein erstrebenswerter Standard ist und was passiert mit den Menschen, die von diesem Standard abweichen?

Alternativer Ansatz: Selbstwertgefühl

Bewegen wir uns also in Richtung Genome Editing zur Veränderung optischer Merkmale, so ist meine persönliche Meinung, dass wir vielleicht besser an unseren gesellschaftlichen Konventionen arbeiten sollten und am eigenen Selbstwertgefühl. Wenn ich ein Kind in die Welt setze, wünsche ich mir, dass meine vordergründigen Gedanken sich nicht mit Hautfarbe, Größe, Stärke oder herausragender Intelligenz meines Kindes beschäftigen. Vielmehr wünsche ich mir, dass ich als zufriedener Mensch, der sich im eigenen Körper wohl fühlt, ein glückliches Kind in die Welt setze, das sich genauso selbst akzeptiert, unabhängig von seiner Hautfarbe. So wie es ist.

Mit Liebe geschrieben – The Fairy Pales

Specials Thanks an Manuela Ringbauer für das wissenschaftliche Lektorat zu diesem Beitrag

Wenn ihr eure Meinungen hierzu loswerden wollt, dann könnt ihr das gerne in den Kommentaren tun. Es würde mich interessieren, wie ihr darüber denkt.

 

 

 

 

 

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