Fashion Hauls | Die Maßlosigkeit mit der Mode

Eines sei vorweg gleich gesagt: ich denke durchaus, dass „Blogger“ ein Job ist. Noch dazu einer, der vielen Leuten Freude bereitet beim Lesen oder Zusehen.

Das kann ich sehr objektiv von mir geben, denn ich bin ja selber bestenfalls Hobbybloggerin. Echtes Bloggen ist also ein Job wie einige andere auch, selbst wenn es oft so wirkt, als würden Blogger einfach hin und wieder mal ein paar Fotos knipsen, ein Video drehen und ein bisschen Zeit auf Instagram, Youtube oder sonst wo verbringen. Bewundert von zahlreichen Fans, Followers, Freunden, was auch immer.

Dass Bloggen ein Job ist – nämlich einer, der vielleicht durchaus ähnlich ist mit einem Job im Marketing oder Sales – zieht natürlich einige Konsequenzen nach sich. Als Blogger vermarktet man nicht eine beliebige Marke, sondern schlichtweg sich selbst. Und das idealerweise vor großem Publikum. Oftmals werden durchaus persönliche Einblicke gewährt in den Tagesablauf, Lebenseinstellungen, Lieblingsprodukte oder sonstige Projekte.

Besonders gut verkaufen sich natürlich – genau wie bei jeder anderen Marke – Dinge, die ein wenig besonders sind. Einfach etwas, das nicht jeder hat oder kann, aber viele gerne hätten oder könnten. Schließlich folgen wir Bloggern ja oft, weil sie uns scheinbar Einblicke in geheime Welten gewähren, weil sie uns auf ihre Abenteuer mitnehmen und uns mit ihren Ratschlägen weiterhelfen. Genau wie wir Marken kaufen, um über uns selbst etwas auszusagen, um ein Bild von uns selbst zu kreieren und der Welt zu zeigen, wer wir sind und was uns wichtig ist.

Jeder Blogger – egal wie groß das Publikum, egal wie vegan die Rezepte oder wie wunderschön rosé die Bilder – bringt seine eigenen Werte mit, seine wirtschaftlichen und persönlichen Interessen, seine Weltanschauung und teilweise einen manchmal einseitigen Idealismus. Versteht das bitte nicht falsch, ich finde viele Blogger faszinierend und erfreue mich selber auch an ihren wundervollen Bildern und kleinen Alltagsgeschichten. Aber vergessen wir nicht, dass sie nicht das Maß aller Dinge sind, sondern dass sie uns lediglich ihre Art oder ihre Idealvorstellung zeigen, zu leben. Viele von uns haben gegenüber großen Marken, Konzernen oder Werbung bereits eine – teils sogar übermäßige – Skepsis, aber Bloggern wird noch genügend Vertrauen geschenkt, weil sie authentisch und glaubwürdig erscheinen.

Einen Aspekt, den ich am Bloggen dabei oft nicht ganz so toll finde, ist der Modewahnsinn. Gerade bei Lifestyle Bloggern türmen sich Fotos und Blog Posts zu Outfits und immer wieder auch zu Fashion Hauls. Riesige Einkäufe also, wo einfach mal jede Menge Gewand gekauft und dann präsentiert wird. Einerseits verständlich, denn wenn man zahlreiche Outfit Posts macht, möchte man ja auch immer wieder Neues präsentieren, andererseits aber schade – aus mehreren Gründen:

  1. Mode ist kein Wegwerfprodukt: Ich verstehe, dass man besonders in jungen Jahren oft nicht unglaublich viel Geld hat, und somit selten in qualitativ hochwertige Kleidungsstücke investiert. Trotzdem kann ich es nicht gutheißen, wenn man Kleidungsstücke in ähnlicher Häufigkeit kauft wie Brot oder Milch (Verzeihung, Avocados natürlich), denn das hat mit nachhaltig nichts zu tun.
  2. Fair Fashion hat auch seine Grenzen: Anknüpfend an den vorigen Punkt hört Fair Fashion meiner Meinung nach dort auf, wo Leute sich einreden, mit dem Kauf der Produkte Gutes zu tun. Ich hoffe und gehe davon aus, dass faire Mode unter besseren Standards produziert wird als andere Massenware, aber auch Bio-Baumwolle & Co verbrauchen Ressourcen und wir sollten es unserem Gewissen nicht gar so leicht machen. Kein Shirt zu kaufen schont die Ressourcen mehr als es ein faires Bio-Shirt tut.
  3. Die maßlose Jagd auf noch mehr: Wieder einmal möchte ich mich selbst keineswegs aus der Verantwortung ziehen, aber ich halte es für bedenklich, wenn wir – oftmals aufgrund niedriger Preise und unendlicher Auswahl – nach Herzenslust immer mehr und mehr und mehr Kleidung einkaufen. Wir denken oft gar nicht darüber nach, wo unsere Kleidungsstücke herkommen, wer dafür unter welchen Bedingungen und zu welchem Lohn gearbeitet hat, wie viel Wasser aufgewendet wird, welche Wege ein einzelner Socken unter Umständen zurücklegt oder was mit der Kleidung passiert, wenn wir sie einmal nicht mehr wollen. Wir machen uns keine Gedanken, weil mindestens jede Saison zahlreiche neue Trends auftauchen, die dann in schicken Haul Videos und anderer Werbung wieder verfestigt werden.


Dieser Blog Post ist wie gesagt nicht als Kreuzzug gegen Blogger gedacht, denn es gibt viele, die mit jeder Menge Herz und Ethik an ihre Sache herangehen. Vielmehr wünsche ich mir, dass es den einen oder anderen selbst anregt, ein wenig nachzudenken über seine modischen Einstellungen und Gewohnheiten. Muss es immer was Neues sein, oder kann man auch mal Kleidungsstücke mit Geschwistern oder Freunden tauschen oder sonst wie neu einsetzen, damit der Kleiderschrank wieder neues Leben eingehaucht bekommt?

Was haltet ihr denn von Fashion Hauls und was könntet ihr tun, um die Modebranche ein wenig nachhaltiger und fairer zu machen? Unterschätzen wir nicht die Macht, die jeder einzelne von uns als Konsument hat, und unterschätzen wir auch nicht die Verantwortung, die in jeder einzelnen Kaufentscheidung steckt.

Mit Liebe geschrieben – The Fairy Pales

 

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