Relativ blass | Die Sinnhaftigkeit von Vergleichen

Sind wir nicht alle schon ab und zu in diese gedankliche Falle getappt? Das Missverständnis, dass ein Vergleich mit anderen die eigene Situation tatsächlich verändert? Mir geht es immer wieder so, aber immer mehr wird mir auch bewusst, wie irrational das eigentlich ist.

Diesem gedanklichen Irrweg oder vermutlich psychologischen Phänomen entspringt auch so mancher gut gemeinter Trost, der aber bei näherer Betrachtung alles andere als hilfreich ist. Egal in welche Richtung – nach oben oder unten – ein Vergleich strebt danach, etwas oder jemanden in Beziehung zu setzen, das je nach Bedarf entweder viel schlechter, viel besser oder zumindest genauso gut oder schlecht sein soll. Beispielsweise kann man der Kollegin, die grade glücklich über ihre Gehaltserhöhung zurückkommt, unter die Nase reiben, dass man dieses Gehalt schon länger bekommt als sie – möge sie sich also nicht so gut fühlen damit. Oder man könnte der jammernden Kollegin entgegnen, man selber verdiene noch viel weniger – möge sie also nicht so herumjammern, wo man doch selbst viel ärmer dran ist.

Hautfarbe ist auch genau so ein Thema. Aus irgendeinem Grund gilt es immer noch als Leistung, nach dem Sommer oder gar ganzjährig möglichst braun gebrannt zu sein. Die Leistung dahinter ist mir zwar unklar, denn genauso gut könnte man vergleichen, wie viel in der Zwischenzeit die Zehennägel von einem selbst und der besten Freundin gewachsen sind – passiert von selber, bei manchen mehr, bei manchen weniger. Dennoch ist es jeden Sommer der gleiche Ablauf und immer werden fleißig die Arme aneinander gehalten um die Bräunungsleistung gut einordnen zu können.

Natürlich darf dabei auch nicht fehlen, den ewig hell gebliebenen Worte des Trosts oder der Unfassbarkeit auszudrücken. Und so lieb oder unbedacht der folgende Moment auch sein mag, auch er lässt selten lange auf sich warten: „Schau, hier ist jemand NOCH blasser als du!“. Puh, Glück gehabt, denn dann ist ja jemand offenbar noch ärmer – denn offenbar ist es ja sehr bemitleidenswert – dran als ich, oder?

Purer Humbug natürlich, denn was ändert nun die Hautfarbe der andern Person an meiner eigenen? Nichts! Absolut nichts. Stattdessen suggeriert es mir in Wahrheit nur wiedermal, dass jemand anderer der Meinung ist, mein Zustand wäre wahnsinnig bemitleidenswert und bedürfe eines tröstenden Vergleichs.

…auch das ändert an meiner Situation aber eigentlich rein gar nichts, denn wie es schon so schön heißt, es ist eben MEINE Situation und die benötigt weder Urteil noch Vergleich. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Abend – egal ob er nun gleich schön, nicht ganz so schön oder aber auch noch viel schöner wird als meiner…

Mit Liebe geschrieben – The Fairy Pales

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